Studienauftrag Feldmühle-Areal Rorschach

Ort: Feldmühle-Areal, Rorschach
Studienauftrag: 2018
Auslober: Steiner AG, Zürich
Landschaftsarchitektur: Hager Partner AG, Zürich
Verkehrsplanung: Gruner AG, St.Gallen
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Auf dem Feldmühle-Areal befand sich einst die weltweit grösste Stickereifabrik. Deren grossmassstäbliche Bauten prägen Rorschach seit Ende des 19. Jahrhunderts. Heute befinden sie sich mitten im Ortszentrum, direkt neben dem Bahnhof Rorschach Stadt. Somit ist die anstehende Transformation des brachliegenden Areals zu einem Wohnquartier mit Gewerbe von grosser Bedeutung. Über 300 Miet- und Eigentumswohnungen wird es hier zukünftig geben.
Die offene Struktur des neuen Stadtbausteins ist präzise auf den Ort und dessen Hanglage zugeschnitten und verbindet vorgefundene mit neuen Elementen. Nicht nur die beiden denkmalgeschützten Bauten, das ehemalige Verwaltungsgebäude und der lange Fabrikbau entlang der Feldmühlestrasse, bleiben erhalten. Auch die Ost-West-Achse, die stets Haupterschliessung des Fabrikgeländes war, soll weiterhin als grosszügiger Erschliessungs- und Freiraum in Erscheinung treten. Gleichzeitig sieht das Projekt ein neues Wegnetz vor, um das Areal auch in Nord-Süd-Richtung mit den angrenzenden Quartieren zu vernetzen. Form und Wohnungstypen der einzelnen Neubauten sind präzise auf ihre jeweilige Mikrolage zugeschnitten. Gleiches gilt für die Aussenräume, die ebenfalls je nach Lage eine andere Funktion und somit ein anderes Gesicht aufweisen. Mehr

Den öffentlichen Freiraum prägt eine Abfolge von Plätzen. Vom Bahnhof herkommend, führt eine Treppe auf eine baumbestandene Terrasse. Hier begegnen sich Zugreisende, Anwohnerinnen und die Kinder der angrenzenden Kindertagesstätte. Wer noch ein paar Stufen höher steigt, steht auf dem Feldmühleplatz. Der dreiseitig gefasste Platz mit dem Wasserspiegel und den mobilen Sitzgelegenheiten ist das Herzstück des Areals. Von hier reicht der Blick über den Bahnhof hinweg bis zum Bodensee. Etwas intimer präsentiert sich der Kaminplatz. Sein Name rührt vom markanten Hochkamin aus Backstein her, der an die industrielle Vergangenheit des Feldmühle-Areals erinnert und von weither sichtbar ist.
Nebst dem Kamin werden drei Bauten aus dem Bestand erhalten und neuen Nutzungen zugeführt. Das ehemalige Verwaltungsgebäude prägt die Bahnhofterrasse und verfügt über unterschiedlich grosse Büroeinheiten und Gastronomie im Erdgeschoss. Der lange Baukörper entlang der Feldmühlestrasse enthält zukünftig loftartige Wohnungen. Dank der aussenliegenden Erschliessung über einen Treppenturm und Laubengänge bleibt die ursprüngliche Gebäudestruktur erhalten. Wie in diesem Haus verfügen auch fast alle Wohnungen in den Neubauten über eine zweiseitige Orientierung. Meist wendet sich ein Teil der Wohnungen einem halböffentlichen Platz oder Weg zu, während die andere Seite Bezug zu einem grünen Aussenraum aufweist. Insbesondere bei den zwei grossen, U-förmigen Bauten in der Arealmitte zeigt sich dieser Kontrast. Der grüne Hof bei «Bau B» geht in den Grünraum der Kirchenanlage über. Die parkähnliche Anlage verschmilzt das Areal mit dem angrenzenden Stadtraum und bildet einen attraktiven Aussenraum für Bewohnerinnen und Spaziergänger aus der Umgebung. Der lange «Bau D» reagiert mit seiner geknickten Form und den durchgreifenden Wohnungen auf die Lärmbelastung entlang der Pestalozzistrasse. Einen städtebaulichen Akzent setzt der angrenzende «Bau C». Mit seinen acht Vollgeschossen markiert der Punktbau den südöstlichen Arealzugang.
Der Hauptzugang zum neuen Quartier liegt im Westen an der Feldmühlestrasse. Hier befindet sich der Eingang zur Tiefgarage und das vierte Bestandsgebäude: das ehemalige Feuerwehrdepot. Es verleiht der Zufahrt eine unverwechselbare Adresse. Die Wege und Plätze im Arealinnern sind grösstenteils autofrei.
Nebst den verschiedenen Platzräumen sind es die in Stufen erlebbare Topografie und die Gebäudefassaden, die das Areal prägen. Die Neubauten sind in ihrem Ausdruck miteinander verwandt. Charakteristische Elemente wie vorgefertigte Betonbrüstungen oder mit Strukturputz versehene Mauerabschnitte wiederholen sich. Für Variationen sorgen die verschiedenen Erschliessungs- und Wohnungstypologien der einzelnen Häuser, die sich nach aussen abzeichnen. Die grossen Häuser mit den homogenen Gebäudehöhen verleihen dem Feldmühle-Areal ein städtisches Gesicht. Gleichzeitig lassen sie viel Platz für Spiel und Erholung im Grünen sowie für Begegnungen im Alltag. Sind die 335 Wohnungen in den insgesamt acht Häusern erst einmal bewohnt, wird das Areal zu einem facettenreichen, lebendigen Stadtbaustein. Weniger

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