Schulanlage Thurgauerstrasse

Ort: Thurgauerstrasse, 8050 Zürich
Auftragsart: Wettbewerb, 1. Rang 2017
Ausführung: 2021 – 2024
Auftraggeberin: Stadt Zürich, Amt für Hochbauten
Landschaftsarchitektur: Pauli Stricker GmbH, St.Gallen
Tragwerksplaung: Borgogno Eggenberger + Partner AG, St.Gallen
HLKKS-Planung: Wirkungsgrad Ingenieure AG, Rapperswil-Jona 
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Das L-förmige, 90 m lange Schulhaus begleitet die Thurgauerstrasse mit ihren grossmassstäblichen Bauten. Zum zukünftigen Quartierpark hin knickt der Baukörper ab und bildet eine 40 m lange Parkfassade vis-à-vis des projektierten Hochhauses. Im Kontrast zu den zukünftigen Nachbarbauten ist das Gebäude bewusst tief gehalten, was seine Öffentlichkeit und Präsenz stärkt. Zum kleinmassstäblichen Einfamilienhausquartier im Westen zeigt sich das Gebäude in Folge des Niveauunterschiedes nur dreigeschossig. Strukturelle Halbhöfe in der Nordwestfassade gliedern den Baukörper nochmals kleinteiliger. Die sich auf diese Weise abzeichnenden Risalite bilden die Clustereinheiten des Schulhauses nach aussen ab. Mehr

Der Aussenraum und Pausenbereich der Schulanlage kommt hier in Form eines längsrechteckigen Platzraumes zu liegen. Die attraktive Spielzone zwischen Grubenackerstrasse und den Pflanzgärten bietet als «Kiesplatz unter Bäumen» Raum für vielseitiges und kreatives Kinderspiel, ist gleichzeitig aber auch ein ruhiger Rückzugsort. Im Süden des Perimeters ist der Allwetterplatz auf dem Niveau der Thurgauerstrasse angeordnet.
 
Das Schulhaus wird vom Pausenplatz an der Grubenackerstrasse wie auch von der Thurgauerstrasse her erschlossen. Ein um 2 m in den Strassenraum auskragender Gebäudeteil markiert den Eingang an der Thurgauerstrasse und kennzeichnet das Haus als öffentliches Gebäude. Über diesen Eingang erreichen die Kinder, Lehrpersonen und Besucher aus Südosten die Schule. Er führt über eine attraktive Treppe zum internen «Boulevard» auf der Ebene des Pausenplatzes. Über diesen horizontalen Erschliessungsbereich sind sämtliche Nutzungen übersichtlich erreichbar. Die insgesamt 18 Klassenzimmer sind in Cluster gegliedert, die durch drei separate Treppenhäuser vom «Boulevard» bzw. vom Pausenplatz her erschlossen sind.
 
Im Erdgeschoss, auf der Ebene des Pausenplatzes, sind der Kindergarten mit separatem Aussenbereich angeordnet sowie die Mensa und der Mehrzweckraum, welche parkseitig orientiert sind. Ebenso sind die Bibliothek, Werkräume und Psychomotorik hier zu finden. In den beiden Obergeschossen liegen im Hauptbaukörper die sechs Cluster, welche jeweils aus drei Klassenzimmern, zwei Gruppenräumen sowie einem strukturell abgedrehten Betreuungsraum bestehen. Diese Schulräume gruppieren sich pro Cluster um eine gemeinsame Mitte, die als Aufenthaltszone, Garderobe und erweiterter Schulraum dient. Gruppenräume mit Schiebetüren grenzen an den benachbarten Cluster an, wodurch sich zusätzlich eine horizontale Erschliessung des Schulhauses durch diese Räume ergibt. Im parkseitigen Gebäudetrakt kommen die Handarbeits- und Therapieräume zu liegen. Die Schulpersonalbereiche, die Schulleitung sowie das Sekretariat sind ebenfalls hier angeordnet. Dieser Trakt verfügt ab dem Pausenplatzniveau über eine eigene Treppen- und Lifterschliessung. Im Sockelgeschoss des Hauses befindet sich der Zugang zum Sportbereich mit Doppelsporthalle sowie zur Regenerierküche. Zudem sind hier die Musikräume angeordnet.
 
Eine von der statischen Struktur unabhängige, regelmässige Bandfassade prägt die Gestalt des Gebäudes. Das Rastermass des Grundrisses mit dem Modul von 1.375 m gliedert das Haus auch äusserlich. Die Brüstungen bestehen aus einer hinterlüfteten Well-Polycarbonat-Fassade. Kostengünstige, standardisierte Photovoltaik-Paneele werden dahinter montiert. Diese semi-transparente Fassade des Hauses wird erst auf den zweiten Blick sichtbar, was eine Mehrfachlesbarkeit ermöglicht. Je nach Tageszeit und Lichtstimmung erscheint das Haus sehr unterschiedlich, da sich das Licht verschieden stark in der Fassade reflektiert.
 
Rankgerüste entlang der opaken Stirnfassaden ermöglichen eine dichte, erdgebundene Vertikalbegrünung von grossen Fassadenteilen. Strahlenförmig aufgespannte Rankseile begrünen die Halbhöfe. Als «fünfte Fassade» wird das grosse Dach, das von allen umliegenden Gebäuden einsehbar ist, intensiv begrünt. Dies stellt sowohl ökologisch als auch ästhetisch einen beachtlichen Mehrwert dar, der nur dadurch möglich ist, dass die benötigten Photovoltaik-Flächen in der Fassade sowie die thermischen Kollektoren (PVT) im Dachrand integriert werden. Weniger

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