Kinderspital und Frauenklinik Luzern

Ort: Spitalstrasse, 6000 Luzern
Wettbewerb: 1. Rang 2020
Architektur/Generalplanung: Bollhalder Eberle + Burkard Meyer AG, Baden
Bauherrschaft: Luzerner Kantonsspital (LUKS)
Landschaftsarchitektur: ASP Landschaftsarchitekten AG, Zürich
Bauingenieurwesen: Borgogno Eggenberger + Partner AG, St.Gallen
Elektroplanung: Scherler AG, Luzern
HLKKS-Planung: Vadea AG, Wallisellen
Spitalplanung: MedPlan AG, Schaffhausen
 
Innerhalb der Vorgaben der Masterplanung treten der längliche Gebäudekörper des Kinderspitals und der nahezu quadratische Bau der Frauenklinik dank der gleichen Geschossigkeit und der verwandten Gestaltung als Ensemble auf. Gleichzeitig handelt es sich um zwei getrennt erscheinende Volumen mit eigener Identität. Dazu tragen der Einschnitt entlang der Nahtstelle sowie die Verschiebung der Gebäudefluchten bei.
Die beiden Arkaden sind Teil des im Masterplan angelegten umlaufenden Arkadensaums. Während die Arkade beim Kinderspital auf der ganzen Gebäudelänge als Schwellenraum die öffentliche Promenade und den Innenraum verbindet, verläuft sie bei der Frauenklinik nur über die halbe Gebäudelänge. Damit schafft sie einen Endpunkt und ermöglicht den typologischen Anschluss an zukünftige Bauten auf der Nordseite der Promenade.
Kinderspital wie Frauenklinik folgen einer verwandten Raumkonzeption. Die Bauten entwickeln sich ausgehend vom Haupteingang auf Promenadenniveau jeweils um einen zentralen Innenhof nach oben in die zwei Bettengeschosse respektive nach unten in die Operations- und Notfallgeschosse. Die Nutzungen sind den Erkenntnissen der Testplanung folgend angeordnet. Auf Promenadenniveau liegen in beiden Bauten die Ambulatorien, sowie im Kinderspital das gemeinsam genutzte Restaurant. Die grossen, begrünten Innenhöfe sind räumlicher Orientierungspunkt und bringen Licht in alle Geschosse. Zu den Höfen gerichtete Aufenthalts- und Spielbereiche sowie Terrassen bilden einen Kontrapunkt zu den aussen umlaufenden Individualräumen. Mehr

 
Bei der Organisation orientiert sich das Projekt an führenden internationalen Funktionsprinzipien. Ziel der angewendeten Struktur sind eine hohe Patientenorientierung, ein grosses Engagement der Mitarbeitenden und eine hohe Effizienz im Tagesgeschäft. Um dies sowohl im ambulanten als auch im stationären Betrieb zu erreichen, setzt das Projekt auf eine grossflächige Trennung von Patienten und Mitarbeitenden. Dafür sorgt das Layout-Konzept On-Stage (Bereiche, wo sich der Patient aufhält) und Off-Stage (Bereiche, wo der Patient keinen Zugang hat).
Die Ambulatorien zeichnen sich dadurch aus, dass sich im Hauptkorridor die Patientinnen bewegen, während im Off-Stage-Bereich das Personal die täglichen Abläufe organisiert. Die Arbeitsplätze für das Personal liegen am Tageslicht. Die Untersuchungszimmer befinden sich zwischen den Arbeitsplätzen und dem Hauptkorridor und werden mittels gestalterischer Elemente mit Tages- und Kunstlicht versorgt.
Die unterschiedliche Logik der zwei Stadtebenen prägen den Ausdruck von Kinderspital und Frauenklinik wesentlich. Während die Bauten zum Spitalplatz hin fünfgeschossig in Erscheinung treten, reduziert sich deren Präsenz auf der Ebene der Promenade auf drei Geschosse. Die umlaufende horizontale Gliederung dient dazu, die beiden ungleichen Situationen einander anzunähern. Zudem folgt die Fassadengestaltung den unterschiedlichen Ansprüchen der Nutzungen auf den einzelnen Geschossen.
Aufbauend auf dem Gebäuderaster schaffen die runden Betonstützen zusammen mit den ebenfalls aus Beton gefertigten, kantigen Geschossbändern eine tektonische Grundordnung. Auf der Südseite entsteht durch die enge Setzung der Stützen im untersten Geschoss eine Sockelwirkung. Der gedrungene Charakter dieses Geschosses verwandelt sich durch die Reduktion der Stützen über die beiden Geschosse Notfall und Ambulatorium zu einer leicht wirkenden Struktur in den obersten zwei Pflegegeschossen. Dort verweist der Stützenraster auf den Massstab der Patientenzimmer.
Ein Dreiklang aus mineralischem Grundgerüst, der dahinterliegenden, vertikal geprägten Fassadenfläche und dem Glanz der Fensterflächen verleiht den Bauten ihr Gesicht. Eine leicht unterschiedliche Farbgebung sowie die farbliche Akzentuierung der Lüftungsöffnungen beim Kinderspital sorgen für eine Unterscheidung der beiden Bauten.
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