Studienauftrag Ludwigstrasse

Ort: Ludwigstrasse, 9010 St.Gallen
Studienauftrag: ohne Rang, 2015
Auslober: AXA Leben AG
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Der Bauplatz befindet sich im Quartier Rotmonten auf einer Anhöhe nordöstlich des Zentrums der Stadt St.Gallen. Das Gebiet ist geprägt durch Einzelbebauungen deren Dichte dem Quartier jedoch einen fast städtischen Charakter verleihen. Die zu überbauenden Parzellen entlang der Ludwigstrasse weisen eine für das Quartier eher untypische Bebauung mit Längskörpern auf. Durch ihre niedrige Höhe und ihre Ausdehnung in die Tiefe der Parzellen integrieren sich die Häuser trotzdem gut in der Umgebung. Die an die Ludwigstrasse tretenden Stirnen der Gebäude entsprechen in Ihrer Körnigkeit dem ortstypischen Bild. Diese Qualitäten soll der Entwurf für eine Neubebauung beibehalten und stärken. Vorgeschlagen werden südwestlich der Seeblickstrasse drei Volumina an Stelle von den bisherigen zwei. Nordöstlich der Seeblickstrasse soll der Bestand durch einen einzelnen Baukörper in ähnlicher Ausdehnung, jedoch mit einem zusätzlichen Geschoss, ersetzt werden. Die beiden südwestlich gelegenen Häuser, welche näher an der bestehenden Bebauung liegen, sollen zweigeschossig werden. Die beiden nordöstlich gelegenen, die Seeblickstrasse säumenden Bauten, sind dreigeschossig angedacht. Mithilfe der nach Süden und Osten leicht ansteigenden Topographie ergibt sich so eine ausgewogene und subtile Höhenstaffelung innerhalb der neuen Überbauung und in Beziehung mit ihrer Nachbarschaft. Mehr

 
Die Schmalheit der neuen Baukörper erlaubt Freiräume welche die städtebaulichen und landschaftlichen Qualitäten Rotmontens fortschreiben. Das Haus im Norden ist von der Seeblickstrasse etwas weggerückt und schafft zwischen Haus und Trottoir Raum für private Gärten welche den Erdgeschosswohnungen zugehörig sind. In quartiertypischer Weise kann der Bau einerseits als Solitär mit Umschwung gelesen werden. Andererseits tritt das Haus mit dem Bau südlich der Seeblickstrasse in einen Dialog. Durch die Dreigeschossigkeit sowie die verwandte Sprache der Nord- und Südfassaden wird das Gebäude im Norden an den Rest des Ensembles angebunden.
Die drei Häuser südlich der Seeblickstrasse spannen Aussenräume auf welche die Vorzüge von privatisierten Gärten und die Qualitäten gemeinschaftlicher Räume mit Siedlungscharakter in sich vereinen sollen. Die Gärten sind unterteilt durch unterschiedlich hoch und dicht wachsendes Gehölz und transformieren sich in entspannter Art und Weise zu einem kommunal genutzten Aussenraum welcher einen Kiesbelag aufweist. Diese beiden Zwischenräume spannen sich entlang der Nordfassaden der Häuser in die Tiefe der Parzelle und bieten einen Ort für Begegnung und Aufenthalt.
Zur Ludwigstrasse hin gehen die Kiesflächen in einen parallel zu ebendieser verlaufenden asphaltierten Vorplatz über. Dort sind neben der Bushaltestelle die an den Stirnfassaden angeordneten Zugänge zu den drei Häusern zu finden. Der Vorplatz bildet die Adresse der neuen Überbauung und grenzt den öffentlichen Strassenraum vom halbprivaten Siedlungsraum ab. Durch das Zurückweichen des mittleren der drei Baukörper wird der längliche Vorplatz als städtebauliches Element zusätzlich betont; desweiteren verbindet diese Massnahme die neue Überbauung mit der Körnigkeit des Quartiers da aus der Distanz nur drei und nicht vier Köpfe im Strassenraum in Erscheinung treten.
 
Die vier Neubauten sind, ihrer einfachen städtebaulichen Setzung folgend, als Zeilenbauten mit einer durchgehenden Balkonschicht im Süden und analog dazu einer Laubengangschicht im Norden organisiert. Diese zwei Schichten sind sich sehr ähnlich in ihrer Typologie und haben doch ganz unterschiedliche Funktionen. Über die Laubengänge im Norden werden sämtliche Wohnungen direkt erschlossen. Betrachtet man die grosse geforderte Zahl an Kleinwohnungen, erlaubt diese Typologie eine effiziente Erschliessung ohne ein Gefälle in der Qualität von verschieden grossen Wohnungen in Kauf nehmen zu müssen. Die Balkonschicht im Süden mit den zusätzlich einspringenden Loggien dient dem Aufenthalt. Beide jedoch bilden einen Übergang von Aussenraum zu Innenraum – eine Filterschicht. Durch ihre Ähnlichkeit im Ausdruck übernehmen sie zusätzlich städtebauliche Funktionen, sie geben den Aussenräumen eine Zweiseitigkeit und den einzelnen Fassaden ein Gegenüber.
Die Zu- und Aufgänge zu den Häusern sind entlang der Ludwigstrasse an den Köpfen der Volumina zu finden und geben der gesamten Überbauung eine einheitliche und kohärente Adresse welche sich in die Logik des Siedlungsgefüges eingliedert.
 
Die Schottenstruktur der einzelnen Zeilen bildet einerseits ein pragmatisches statisches System, andererseits profitieren dadurch sämtliche Wohnungen, von der kompakten Eineinhalb- bis zur grosszügigen Viereinhalbzimmerwohnung, von einer Zweiseitigkeit. Die geringe Gebäudetiefe kombiniert mit der grosszügigen Raumhöhe erlauben lichte, geräumige Wohnungen - auch bei geringer tatsächlicher Grösse.
Sämtliche Wohnungen sind nach demselben einfachen Prinzip aufgebaut. Im Zentrum des Planes spannt sich eine schmale Schicht quer durch das Gebäudevolumen. Darin aufgereiht sind das Entrée, die Küche und direkt davor die Loggia. Diese Schicht von kleinen Räumen unterschiedlicher Art zoniert den Rest der Wohnung. Auf der einen Seite befindet sich der Wohn- und Essraum, welcher sich als einziger Raum durch die gesamte Tiefe des Baus erstreckt. Auf der anderen Seite, und durch die erwähnte mittlere Schicht privatisiert, ist der Schlafraum mit dem direkt daran angeschlossenen Bad zu finden welches wiederum auch über das Entrée zu erreichen ist.
Diese Staffelung von Räumen und die unterschiedlichen Möglichkeiten des Durchschreitens, Durchblickens, Abtrennens und Öffnens geben der Wohnung eine Weite und Komplexität welche vor allem für kleine Wohnungen unüblich ist.
Wo eine grössere Wohnung gefordert war, änderte dies den prinzipiellen Aufbau des Grundrisses nicht - er wurde ganz einfach um eine Zimmerschicht erweitert. Wohnungen unterschiedlichster Grösse haben somit alle vergleichbare Qualitäten.
 
Die vorgeschlagenen Bauten sind pragmatisch konstruiert, bezüglich der Materialisierung wird ein gesundes Gleichgewicht zwischen Kostengünstigkeit und Langlebigkeit sowie ein gewisses Mass an Nobilität angestrebt.
Der Rohbau setzt sich aus Betondecken und betonierten tragenden Wohnungstrennwänden zusammen. Im Bereich der Küchen verringern zwei Pfeiler die Spannweiten der Decken, eine in Längsrichtung gestellte Betonwand zwischen Küche und Entrée sorgt für die nötige Aussteifung der Gebäudezeilen.
Die Fassaden gegen Süden sind praktisch vollflächig verglast und versorgen sämtliche Innenräume mit maximal viel Licht und Ausblick. Gegen Norden zum Laubengang hin treten die Fassaden geschlossener in Erscheinung – wo keine Öffnung sitzt ist die Aussenwand als einfache hinterlüftete Holzständerwand konstruiert.
Die Balkonschicht wie auch die Laubengänge bestehen aus Betonfertigteilen und sind kraftschlüssig thermisch getrennt mit den Deckenstirnen verbunden. Rund um das Haus legt sich ein filigranes Gestell aus pulverbeschichteten Stahlrundrohren. Es bildet die Absturzsicherung und ist gleichzeitig Gerüst für eine subtile Bepflanzung der Fassaden. Die Fensterpartien – es werden Holzfenster vorgeschlagen - sind deckend weiss gestrichen. Die geschlossenen Teile der hinterlüfteten Nordfassaden sind mit Faserzementplatten verkleidet – in ihrer Materialität sind sie verwandt mit den Betonfertigteilen der Balkone und Laubengänge wie auch mit den in Sichtbeton ausgeführten Stirnen der Häuser welche die Treppenaufgänge und Lifte beherbergen.
In den Wohnungen werden die Holzfenster wie auch nicht tragende Innenwände in Holz weiss lasiert und zeigen Ihre Materialität. Die tragenden Innenwände sind in Sichtbeton belassen, ebenfalls die Decke welche zusätzlich weiss lasiert ist. Für den Boden im Wohnraum wird ein Zementüberzug vorgeschlagen welcher den Raum optisch auf den in Beton ausgeführten Balkon verlängert. In den übrigen Räumen sind Terracottaplattenbeläge unterschiedlicher Tonalität angedacht. Die Direktheit der verwendeten Materialien bildet somit das Grundgerüst für die Atmosphäre der Wohnungen. Weniger

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